Montag, 17. Oktober 2016

Tag 14 Westwego - New Orleans

Für den Morgen hatte ich eine Fahrt mit einem Airboot durch die Bayous südlich von New Orleans gebucht. Also  hieß es vom Motel zum Hafen. Etwa 800m. Es war herrlich, nach dem Aufstehen die Zimmertüre zu öffnen und vor Palmen zu stehen. Heute war es wieder so warm, dass ich ich die kurzen Hosen ausgepackt habe. Hier ist es so warm und schwül, ich hätte heute ca 5x das T-Shirt wechseln können.

Die Flora und Faune in den Sümpfen südlich von New Orleans ist sicherlich nicht so spektakulär wie in den Everglades in Florida, es war aber trotzdem sehr beeindruckend. Außer dem Steuermann waren wir nur zu dritt, ein Pärchen aus Chicago war mit mir im Boot.

Der Name Bayou entstammt einem alten indianischen Begriff für langsam fließendes Wasser. Wenn man da rum fährt, hat man wirklich das Gefühl, man befindet sich auf einem See. Kaum hatten wir den Hafen verlassen, kam der erste, ein kleinerer Alligator auf uns zu geschwommen, kaum einen Meter war er lang. Angeblich kann man von dem Abstand der Nasenspitze zu den Augen direkt hochrechnen auf die Länge des Tieres. Während in den Everglades die größeren Krokodile gemeinsam mit den kleineren Alligatoren leben und es hier nur Alligatoren gibt, sieht man allgemein keine größeren Tiere, aber nach ein einer Weile bekam unser Steuermann eine Nachricht, dass Tom gesehen wurde. Tom ist ein etwa 2,5 Meter langer Alligator, den wir bald darauf dann auch zu Gesicht bekamen.
Alligatoren sind wohl sehr menschenscheu und schwimmen eher vor ihnen weg, als sie anzugreifen. Es ist aber verboten sie zu füttern, damit sie ihre Angst vor Menschen und Booten bewahren.

Das Airboot
Man sieht den Alligator auf uns zu schwimmen.

Neben dem Boot.

Tom der Alligator.



Aber auch sonst ist die Natur dort herrlich und man sieht die unterschiedlichsten Tiere. Auch sehr viele Fische, die hier immer wieder, auf der Jagd nach Insekten an der Oberfläche aus dem Wasser springen.







Ein letzter Blick zurück.

Wieder in Hafen, wo man viele Shrimpfischerboote sieht.
Beeindruckend sind die oft großen und toll gewachsenen Zypressen, denen man immer wieder begegnet. Zu denen zwei kleine Infos.
Die kleinen Spitzen, die man immer wieder um diese Zypressen herum sieht und von denen ich mich schon am Natchez Trace im Swamp Creek gefragt habe was das ist, sind "Knie" der Wurzeln. Diese wachsen erst noch mal nach oben und dabei oft bis aus dem Wasser, bevor sie dann tief in die Erde wachsen.
Das, was man immer wieder in grauen Streifen von den Ästen herunter hängen sieht, ist das Spanish Moss, das Spanische Moos oder, bei uns auch, Louisianamoos genannt. Nach einer indianischen Sage das Haar einer Prinzessin.
Dieses Moos wurde, verarbeitet oder auch unverarbeitet, unter anderem als Füllmaterial für Polster und Matratzen verwendet. Das muss nicht immer angenehm gewesen sein, denn in diesem Moos leben wohl sehr gerne Wanzen, die man sich so auch ins Bett gebracht hat.

Eine Zypresse mit Spanish Moss und rechts daneben den Wurzeln.
Interessant war auch die Fahrt durch die riesigen Felder der Wasserpflanzen in den Sümpfen. Leider habe ich den Namen dieser Pflanze wieder verdrängt, die dort direkt an der Wasseroberfläche wächst, aber die Geschichte dazu ist vielleicht nicht uninteressant.
Diese Pflanzen sind, an Schiffen haftend, aus Südamerika hierher gekommen und verbreitet sich wie Unkraut. Da sie eine schöne Blüte hat, haben auch einige solche Pflanzen schon zu Hause in ihren Teich gesetzt, um festzustellen, dass nach einem Jahr in dem Teich nichts anderes mehr wächst.
Das ist auch das Problem in den Sümpfen, die Pflanze nimmt dem Lebensraum im Wasser das Licht und so sterben nicht nur viele Fische.
Um das Problem zu lösen, hat man geschaut, warum die Pflanze sich in Südamerika sich nicht so verbreitet und festgestellt, dort ist sie die Hauptnahrung von Nutrias, den Biberratten.  Also hat man sich gedacht, führt man die Biberratte hier auch ein. Gesagt, getan. Nur hat sich nun eine Nutriaplage breit gemacht und die Tiere fressen hier alles lieber als die Pflanze, die sie fressen soll.
Nun gibt es hier derart viele Ratten, dass man für jeden Schwanz einer solchen Ratte Geld bekommt. Einige verdienen sich nun ein Zusatzeinkommen und ein paar leben von nichts anderem, als diese Ratten zu jagen, ihre Schwänze gegen die Belohnung einzulösen und zusätzlich das Fell zu verkaufen.

Apropos leben, in den Sümpfen gibt es, auf Inseln, Wohnungen ohne fließendes Wasser und bis vor nicht langer Zeit auch ohne Strom, die man nur mit Booten erreichen kann. Da diese Häuser aber außerhalb der Schutzdeiche der Stadt sind, sind mit jedem Sturm mehr und mehr dieser Häuser nach Wiederaufbau nur noch Jagdhütten geworden, aber es gibt wohl immer noch Menschen, die wirklich in dieser Landschaft wohnen und sich auch von dem größtenteils ernähren, was sie jagen oder fangen.

Die Felder der Wasserpflanze.

Die schönen Blüten.
Damit soll es aber erst mal wieder genug über die Natur gewesen sein. Nach dem Bootstrip ging es dann mit dem Auto nach...


Hier hatte ich ein nicht zu teures Hotel am Rande des French Quarter gefunden, einen Steinwurf entfernt von der Canal Street. Der Preis wird aber dadurch relativiert, dass mein Auto fast zum gleichen Preis wie ich hier übernachtet. Aber egal. So konnte ich meinen Auto vor dem Hotel stehen lassen, meinen Schlüssel an der Rezeption abgeben und wenn ich übermorgen wieder aufbreche, steht es hoffentlich wieder vor der Türe.

Dann habe ich erst mal einen kleinen Rundgang durch das French Quarter gemacht, um mir die Stadt anzuschauen, auf die ich so gespannt war. Ich sage gar nicht viel, was sagt ihr?

Canal Street.

Bourbon Street.








Die Bourbon Street hat namentlich eigentlich nichts mit dem Getränk zu tun, der Name leitet sich von den Bourbonen ab, die acht französische Könige gestellt haben und auch Könige anderer Nationen.
Die Gegend war lange französische Kolonie, dann spanische, dann wieder französische, ohne das es selbst die Bewohner wussten, bevor sie amerikanisch wurde. 
Napoleon hatte sie den Spaniern wohl wieder abgekauft, wollte aber, da er aber im Krieg mit England war, nicht, dass das bekannt wurde. Er hatte Angst, dass die Engländer hier eine weiter Front aufmachen.
Das French Quarter war übrigens auch wirklich das französische Viertel, als New Orleans amerikanisch wurde. Das haben die Bewohner einfach nicht akzeptiert, Amerikaner durften nicht in das Viertel, die Franzosen verließen es nicht. Daher sind die Straßen an den Grenzen des Viertels, wie z.B. die Canal-Street so breit. Sie hatten Wiesenflächen, die als neutrale Zonen galten. In diesen Zonen wurde der Handel zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen betrieben.

Bevor ich für ein kleines Päuschen ins Hotel zurück bin, bin ich am Friedhof Nummer 1 vorbei gegangen. Die Friedhöfe der Stadt sind oberirdische Städte der Toten. Aus Angst vor Seuchen möchte man die Toten hier nicht unter der Erde begraben, wegen des hohen Grundwassers.
Was ich hier erst erfahren habe, diese Friedhöfe sind so dicht bebaut und verwinkelt, dass es wohl alleine sehr gefährlich ist, diese zu betreten. Man hat sie komplett abgesperrt und darf sie nur noch zu Gruppen mit Führung betreten. Allerdings ist das dann auch direkt eine große Geldmacherei, eine solche Führung wurde für 20 Dollar angeboten. Ich bin zwar neugierig, weiß aber noch nicht, ob mir das diesen Preis wert ist.

Einen kleinen Blick habe ich dann aber doch über die Mauer geworfen.


Ist Euch die Pyramidenspitze im Vordergrund aufgefallen? Ich weiß nicht, ob das die richtige Pyramide ist, sicher gibt es davon mehrere, aber eine solche, drei Meter hohe Pyramide auf diesem Friedhof ist das Grab von Nicolas Cage.
Ja ich weiß, er lebt noch, aber er hat sich sein Grab dort schon mal gekauft.

Am frühen Abend bin ich dann erst mal am Mississippi River spazieren gegangen. Eigentlich wollte ich ja noch bis ins Mündungsdelta, aber ich habe die Entfernungen hier unterschätzt, das sind noch mal 200 km Richtung Süden mehr. Ich denke, diesen Umweg werde ich mir nicht mehr antun, auch wenn die Planung für die nächste Woche noch nicht ganz steht.

So habe ich mich heute schon mal von dem Old Man River verabschiedet, dessen Verlauf ich über 1000 km und damit mehr als ein Viertel seiner gesamten Strecke begleitet habe. Den Beinamen Old Man River verdankt er übrigens dem Musical Show Boat aus dem Jahre 1927.

Die Flusskehre in New Orleans. Dieser verdankt New Orleans auch den Beinamen Crescent City.

Die Promenade, hinten rechts, der Flussdampfer Natchez.

Eine alte, aber hübsche, Landungsbrücke. Rechts ein Outletcenter.
Von hier bin ich dann durch das Outletcenter Richtung Stadt. Und was muss ich in diesem für einen Laden finden? Lindt-Schokolade. Da arbeite ich zu hause in   Reichweite der Schokoladenfabrik und kann selbst hier noch Lindt-Schokolade als Outletware kaufen. Als Andenken an die USA.

Der Lindt-Shop.
Zum Abschluss des Tages habe ich mir dann wieder die Bourbon Street, diesmal bei Nacht angesehen. Unbeschreiblich. Was man nicht tun sollte, tief einatmen. Es riecht an einigen Stellen nach einer Mischung aus Kloake, Gras (dem zum Rauchen) und Pipi. Man kann sich die Straße, mit ihren Nebenstraßen, vorstellen, wie die Reeperbahn bzw die Große Freiheit in Hamburg, aber auch irgendwie nicht. Zwar ist es eine Aneinanderreihung von Bars und Striplokalen und junge Frauen laufen hier mehr nackt als angezogen durch die Straße, mit einem Schild, "Pics for Tips", aber im Gegensatz zu Hamburg liegen in dieser Straße hier auch Luxushotels und -restaurants.

Ich verstehe jetzt auch besser, warum sich diese Stadt "The big easy" nennt. Regeln scheinen hier nur bedingt zu gelten. In den USA gibt es eigentlich strikte Gesetze gegen das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit. In vielen Städten habe ich vorher auch in Bars Schilder gesehen, dass man das Lokal nicht mit alkoholischen Getränken verlassen darf.
Hier ist das anders herum. Hier stehen Schilder an dem ein oder anderen Laden, dass man keinen Alkohol mit hinein nehmen darf. Zwar muss man den Alkohol aus Bechern trinken, die dafür ausgegeben werden, nicht direkt aus der Flasche, aber der Cocktail to go ist hier absolut üblich. Und das nicht erst am Abend, das war schon kurz nach Mittag so und abends habe ich schon vor 20:00 die ersten sehr Angetrunkenen gesehen. An einem Montag.

Viele Fotos habe ich nicht mehr gemacht. Ich habe eine Bar gesucht, in der ich etwas essen konnte, das nicht aus dem Meer kam und dabei Football schauen konnte. Gar nicht so einfach, hier ist alles eine Oysterbar oder ein Shrimprestaurant. Natürlich gibt es dabei auch die Anspielung auf Forrest Gump und die Bubba Gump Shrimps. In einem Restaurant davon lief sogar der Film in Dauerschleife.
Als ich endlich dachte, ich bin fündig geworden, bot man mir, nach langer Diskussion, einen Tisch für nur eine Person zu vergeben, einen Tisch an, der ja direkt vor dem Fernseher war. Nur lief auf diesem Baseball und nicht Football. Darauf angesprochen meinte man, ich sei doch scheinbar nicht aus den USA, da sei das doch egal.
Ich habe dann doch noch einen Platz gefunden und das Spiel gucken können. Woanders. 

Fotos habe ich nicht mehr viele gemacht, aber hier ein kleiner Eindruck von New Orleans bei Nacht.





Die Gestalt unten auf der Ecke ist übrigens Chewbacca.
Mittlerweile stellen sich die ersten Auflösungserscheinungen meiner Reise ein, das erste Paar Socken war durchgelaufen, aber ich hoffe, meine Ausdauer reicht, um die Stadt morgen bei Tag und Nacht richtig zu genießen und das Motto der Stadt zu leben.
Laissez les bon temps roulez - Let the good times roll.




Sonntag, 16. Oktober 2016

Tag 13 Lafayette - Westwego

Man muss aus allem das Beste machen. Daher sehe ich in meinem kleinen Umweg von gestern die Tatsache, dass ich in meinem Leben noch nie westlicher war als im Motel der letzten Nacht.
Außerdem war der Weg von Baton Rouge gar nicht mal so hässlich. Was ich gestern nicht mehr wirklich wahrgenommen habe, die Strecke führt mitten durch die Bayous. Links und rechts der Straße waren riesige Sumpfgebiete und die Straße führte viele Kilometer über eine Art Brücke. Da es ein Interstate Highway war, konnte ich hier nur aus dem Fahren Auto fotografieren. Aber ich hoffe, man bekommt einen Eindruck von der Landschaft. So früh morgens war es auch mal wieder sehr neblig.

Der Interstate-Highway auf Stelzen.
Die Sümpfe entlang der Straße.
Apropos neblig, ein Wort zum Wetter. Auch wenn es morgens neblig ist und auf vielen Bildern Wolken zu sehen sind, das Wetter startet hier momentan morgens mit so 24°C und steigt im Laufe des Tages auf über 30°C mit hoher Luftfeuchtigkeit. Selbst hier ist das unnatürlich warm, aber ich werde mich nicht beschweren. Ich befürchte, in einer Woche wird das dann auch für mich kälter werden.
Wie angekündigt bin ich dann, direkt vor Baton Rouge, rechts abgebogen und wieder auf die Straße entlang des Mississippi. Der Nebel verzog sich und was ich zu sehen bekam, war das gesamte Spektrum von hässlichster Industrie bis hin zu wundervollen Anwesen. Die Fabriken längs des Mississippi scheinen von den Gas- und Ölfeldern in der Karibik zu profitieren, denn von Shell über Texaco bis in zu AirLiquide und Praxair war alles dabei, was ich von Tankstellen oder Gaslieferanten her kenne. Nur Linde-Gas habe ich vermisst.
Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass diese Fabriken nicht zu den schönsten Anblicken gehören. Aber seht selbst.



Auf dem letzten Bild kann man rechts schon erkennen, dass der Mississippi hinter Deichen verschwunden ist, was aber dafür sorgt, dass es hier schon lange keine Überschwemmung mehr gegeben hat. Bei einer späteren Besichtigung meinte eine der Führerinnen, sie hat den Mississippi schon bis nur einen Meter unter der Deichkante gesehen und seit Kathrina macht ihr das Angst.
Wo wir von Kathrina sprechen, der Hurrikan hat hier in der Gegend des Mississippi keine Flutschäden angerichtet. Nur Sturmschäden an Dächern. Die Deiche sind in New Orleans gebrochen und diese Stadt liegt wie eine Schüssel neben den Kehren des Flusses. Diese Schüssel ist vollgelaufen und musste abgepumpt werden, da das Wasser nicht auf natürlichem Wege abfließen konnte.
Wenn man die Häuser entlang des Flusses sieht, dann wäre es auch zu schade, wenn das durch Flut zerstört werden würde.

Die Straße entlang des Deiches.
An einer Fährstation konnte ich dann einen Blick auf den Fluss werfen.
Wohnhäuser entlang der Straße.


Bis zum Bürgerkrieg reihte sich in dieser Gegend beidseitig des Mississippi eine Plantage an die andere. Allerdings wurde hier scheinbar keine Baumwolle angepflanzt, sondern Zuckerrohr. Auch wurde man nicht müde zu erklären, dass die Sklaverei hier humaner war, als sie an der Atlantikküste gewesen ist. Etwas makaber, aber es bedeutete, dass hier ein Sklave eine Art Lohn bekam, geregelte Arbeitszeiten hatte und auch die Möglichkeit, Geld zu verdienen, wenn er z.B. Hühner hatte und die Eier verkaufte oder in seiner Freizeit fischen ging und die Fische verkaufte.
Ein Sklave hatte hier so die Möglichkeit, sich selber frei zu kaufen und der Status eines freien Schwarzen war hier auch nicht so ungewöhnlich. Das alles aber nur unter dem Einfluss der französischen bzw spanischen Kolonialmacht. Nachzulesen unter Code Noir. Als Louisiana dann ein Staat der USA wurde, änderte sich auch das.

Die Plantagen sind aber fast alle verschwunden, denn nachdem die Sklaverei verboten wurde, konnten ihre Besitzer sie nicht mehr betreiben und sie wurden von den Banken enteignet. Die Güter wurden fast ausnahmslos versteigert. Das Land ging an Gesellschaften, denen natürlich das Land was wert war, die Gebäude nicht, sie brachten kein Geld. Wenn heute noch Gebäude bestehen, dann aus dem Grund, dass man sie zu Verwaltungsgebäuden gemacht hat, die Familie, aus welchem Grund auch immer, doch reich genug war, nur das Land zu verkaufen, das Grundstück um das Haus aber behalten konnte oder, wie in dem Fall der ersten Plantage, die ich besucht habe, als Kuhstall genutzt wurde. Und zwar für einen längeren Zeitraum, als die Erbauer und Besitzer vorher darin gewohnt haben.

Die Oak Alley Plantage wurde Anfang des letzten Jahrhundert von einer reichen Texanerin gekauft und wieder hergerichtet. Sie hatte selber keine Nachkommen, aber schon zu Lebzeiten liebte sie es, Schulklassen oder Interessierte einzuladen und ihnen das Haus und das Land zu zeigen und sie richtete vor ihrem Ableben eine Stiftung ein, die das Haus der Öffentlichkeit zugängig machen sollte. Diese Stiftung betreibt das Haus noch heute.
So kann man das Haus selber besichtigen, einen kleinen Teil des Geländes und, auf diesem, den Nachbau von sechs Sklavenhütten, in den denen das Leben der Sklaven beschrieben wird.
Diese Hütten kann kann man mit Doppelhaushälften vergleichen. Jede Hütte bestand aus zwei Wohnungen für 2-5 Sklaven, im Prinzip also eine Familie.

Die Sklavenhütten.
Ein Blick in eine Hütte.
Nicht in jeder Stand ein Bett.
Kleidung der Sklaven.
Oben eine Vorrichtung, die ein Sklave um den Hals bekam, wenn er im Verdacht stand, wegzulaufen. Das Ding hat wohl viel Lärm gemacht.
Darunter Fesseln extra für Kinder.
Blick von den Hütten, die auf hier auf den original Fundamenten stehen, Richtung Haupthaus.
Die Führungen im Haus übernahmen junge Damen in Kostümen der Reifrock-Kleider. Dabei erwähnten sie aber mehrmals, dass sie froh seinen, dass es keine originale Kleider waren. Diese waren sehr unangenehm zu tragen und in damaliger Zeit sogar lebensgefährlich. Eine Tochter des Hauses hat, in jungen Jahren, wohl einmal, auf einer Treppe, einen Schritt verloren und konnte sich, dank des Reifrocks, nicht halten. Heute sind solche Röcke ja oft aus Plastikreifen, früher waren das härte Materialien. Eine Strebe drang in das Bein ein, brach es und das Bein entzündete sich. Die Dame verlor das Bein und konnte nicht mehr verheiratet werden, sie hatte nur noch die Chance, ins Kloster zu gehen.

Dabei erfährt man sehr viele der Anekdoten, die ich schon erzählt habe, aber auch noch mehr. Zum Beispiel haben Männer, die zu Besuch waren, Rum angeboten bekommen, so viel sie trinken konnten und wollten. Zucker für Rum hatte man ja genug. Für Damen geziemte es sich allerdings nicht, in der Öffentlichkeit oder in der Gesellschaft von Männern Alkohol zu trinken. Sie bekamen statt dessen Obst gereicht.
Wer das jetzt unfair findet, dem sei gesagt, die Früchte haben vorher wohl lange Zeit in dem selben Rum eingelegen, der auch den Männern gereicht wurde. Sie mussten den Genuss des Alkohols einfach auf andere Weise genießen.

Im Haus sind alle Uhren außer Betrieb aber alle auf die gleiche Uhrzeit eingestellt. Das war der Todeszeitpunkt der letzten Besitzerin, um sie so zu Ehren. Ihr Wohnraum ist auch original und unangetastet.

Andere, kleine Geschichten hier mit Bild.
Wer weiß, was das ist?


Das war der "Deckenventilator" über dem Esstisch. Betrieben wurde er von einem Kindersklaven, der sich so an seine Arbeit als Sklave gewöhnen sollte.

Kann sich jemand denken, warum das Besteck auf dem nächsten Foto auf dem Gesicht liegt? Es hat damit zu tun, dass es auch besonders groß ist.


Das Besteck zur damaligen Zeit war aus echtem Silber. Je größer das Besteck, desto reicher war man. Wenn ein Löffel so herum auf dem Tisch liegt, erscheint er zusätzlich größer.

Die letzte Frage. Kann sich jemand denken, was es mit dem Kerzenhalter auf dem nächsten Bild auf sich hat? Ich hoffe, das Foto zeigt, dass die Kerze in einer Spirale steckt und mit einem Griff, den man am unteren Ende hoffentlich sieht, nach oben gedreht werden kann?


Wenn der Tochter des Hauses der Hof gemacht wurde und sie Besuch bekam, dann musste der Besucher erst dem Vater die Aufwartung machen. Je besser dieser den Gast leiden konnte, desto höher drehte er die Kerze in der Halterung. Der Besucher durfte dann so lange bleiben, bis die Kerze zum oberen Rand der Halterung herunter gebrannt war.

Jetzt aber ein paar Bilder aus dem Haus.
 
Eine der "Southern Belles"




 Dann wurde eine Tür auf den Balkon geöffnet und man sah die Aussicht, die dem Haus ihren Namen gab. Die tolle Eichenallee, diesen Anblick haben die Besitzer früher sicher genossen. Vor allem, da es damals den Deich noch nicht gab und man freien Blick auf den Mississippi hatte.
Kurioserweise stand diese Allee schon, bevor die Plantage gebaut wurde. Wer sie warum angelegt hat, weiß keiner. Man hat das Haus einfach an das Ende gebaut.

Nicht der schlechteste Blick von einem Balkon.
Wenn man aber den Weg vom anderen Ende der Allee entlang geht, sieht das ganze noch viel besser aus. Finde ich zumindest.




Das Haus ist zu sehen im Film, "Interview mit einem Vampir" und auch die nächste Plantage, vor der ich allerdings nur gehalten habe, ist bekannt aus einem Film. In diesem explodiert sie am Ende. Das ist nicht der Grund, warum ich sie nicht besuchen konnte. Sie ist nur von Montag bis Samstag geöffnet.

Die Evergreen Plantation,...
... das Anwesen aus dem Film "Django Unchained."
Hier gab es auch eine Eichenallee, an deren Ende aber nur sehr viel nichts ist.
Ich bin noch an der ein oder anderen Plantage vorbei gefahren, wie z.B. die Laura Plantation oder die Whitney Plantation. Diese habe ich aber nicht besucht und man konnte sie von der Straße auch nicht sehen. Man mag ja Eintrittsgelder verlangen.

Links der Deich, rechts Zuckerrohr.
Eine Plantage habe ich dann doch noch besucht. Die Destrehan Plantation. Diese Plantage und ihre Einrichtung hat, da ihr Besitzer ein berühmter Politiker war, den Bürgerkrieg in Privatbesitz überlebt. Allerdings gab es auch ihr eine Zeit lang keine Nachkommen und da die Sage die Runde machte, der berühmte Pirat Jean Lafitte, der in dieser Gegend sehr beliebt war, da er von Gegenständen bis zu Sklaven alles beschaffte, was man brauchte, hat hier einen Schatz versteckt. Man riss also auf der Suche nach Reichtum alles aus den Wänden und ließ keine Stein auf dem anderen. Eine Gruppe von Menschen hat sich dann irgendwann dem Haus angenommen und eine Gesellschaft zum Erhalt gegründet und durch diese wird das Haus immer noch betrieben.

Der Führerin, die "Southern Belle" hier war eine etwas betagtere Dame, sagte, ein Nachfahre ist in New Orleans bekannt, der aus einer Beziehung des Erbauers mit einer Sklavin entstammt.

Die Sklavenhütten hier waren diesmal wohl original, nur nicht von dieser, sondern einer anderen Plantage. sie unterschieden sich aber nicht von den den schon gesehenen.

Die Destrehan Plantation.
Die Führerin am Bett der Dame des Hauses. Der Hausherr musste beim Abendessen ein schriftliches Gesuch an seine Frau richten, wollte er sie des Nachts besuchen. Trotzdem hatte das Paar 14 Kinder.
Die Plantage ist nicht so bekannt und so bestand die Gruppe hier nur aus einer vierköpfigen Familie aus Kalifornien, zwei anderen Deutschen und mir. Die Gruppenführerin erklärte immer sehr betont und fragte uns Deutsche, ob wir denn auch alles verstanden. Die Familie aus Kalifornien war darüber sehr amüsiert, denn sie haben gemerkt, dass wir der englischen Sprache mächtig waren. Allerdings hörte ich auch danach, und nicht zum ersten Mal auf meiner Reise, den Satz: Ich wusste gar nicht, dass Deutsche so gut englisch sprechen. Damit will ich nicht meine Kenntnisse loben, es ist eher vielmehr so, dass scheinbar alle denken, man lernt nur seine Landessprache. Das kommt davon wenn man von sich auf Andere schließt.

Auch betonte die Dame, weil wir Deutsche waren, dass es hier einen sehr großen deutschen Einfluss gab. Ein großer See nebenan heißt auch Lac des Allemands. Dies, so meinte sie, sei zu Ehren deutscher Farmer, die in den französischen Kolonien gearbeitet haben und ohne die New Orleans wahrscheinlich verhungert wäre.

Ein großer Schatz der Plantage ist eine originale Urkunde mit der Unterschrift von Thomas Jefferson, in der dieser, als dritter Präsident der USA und Gründervater, Mr. Destrehan mit der Erstellung einer Verfassung für den Staat Louisiana auszuarbeiten, nach der dieser in den Staatenbund der USA aufgenommen werden sollte. Fotos durfte man davon nicht machen.

Jede Plantage hatte eine Glocke, die mit ihrem Glockenschlag den Tagesablauf bestimmte. Dienstbeginn und Dienstende, Pausen, Essenszeiten und vieles andere. Allerdings hatte jede Plantagenglocke einen anderen Klang, so dass die Plantagen nach Codes über eine Entfernung von bis zu 4 Meilen miteinander kommunizieren konnten und im Alarmfall auch um Hilfe rufen.

Über einen Seilzug konnte sie vom Haus aus bedient werden.
Bevor ich ging konnte ich doch noch feststellen, es gab auch männliche Führer in Kostümen.
Von da aus bin ich dann heute etwas früher ins Hotel aufgebrochen, aber nach dem Tag gestern war ich über eine kleine Pause dankbar. Meine Reservierung hat funktioniert und wenn ich die Türe meines Motelzimmers öffne, sehe ich auf Palmen.

Auf dem Weg hier her habe ich wahrscheinlich zum vorletzten Mal den Mississippi überquert. Was mich dabei immer wieder beeindruckt hat, waren die riesigen Brücken und deren Konstruktionen. Mehrfach habe ich versucht, davon mal schöne Fotos zu machen, es ist mir aber nie richtig geglückt. Man kann da ja nirgends stehen bleiben. Hier aber nochmal ein Versuch.


Ich bin kurz vor New Orleans. Morgen früh habe ich noch ein besonderes Highlight geplant, wenn ich nicht verschlafe, dann geht es in die Stadt, die meine Reiseroute maßgeblich bestimmt hat. Hoffentlich enttäuscht sie mich nicht.