Samstag, 22. Oktober 2016

Tag 19 Stone Mountain - Atlanta

Letzte Nacht hatte ich nur wenig Schlaf bekommen. Das Einschlafen war mir sehr schwer gefallen. Es war kein Problem der Stunde Zeitumstellung. Erst hatte sich das Pärchen nebenan sehr lange und sehr laut lieb, eine Stunde später hörte man dann einen lauten Schrei und eine Frau lief vor den Zimmern entlang. Von da an war alles in heller Aufregung und suchte stundenlang nach der Verursacherin und den Gründen. Schon etwas gruselig.

Irgendwann konnte ich dann doch einschlafen und habe mich nach dem Aufwachen dann direkt dran gemacht, aus dem Motel zu verschwinden und in die große Stadt zu ziehen. Für die nächsten zwei Nächte ist ein Motel ziemlich zentral in Atlanta gebucht worden.
Auf dem Weg dahin kam ich aber am Geburtshaus von Martin Luther King Jr. vorbei und natürlich musste ich es besuchen. Naja, versucht habe ich es wenigstens. Eine Ausstellung und sein Grab habe ich gefunden, auch die Umgebung, in der er Aufwuchs. Sein Geburtshaus war aber leider geschlossen, wegen einer Renovierung. So konnte ich dieses nur von außen betrachten.
Besuchen konnte man aber auch die Ebenezer Baptist Church, in der seine Eltern sehr aktiv waren, sein Vater war Prediger, seine Mutter spielte am Klavier. Später teilte er sich hier auch ein Pastorat mit seinem Vater, was ihm die Möglichkeit gab, sich mit mehr Zeit seiner Bewegung zu widmen.
Zwischen der Kirche und dem Geburtshaus befand sich auch eine Feuerwache, in der er als Kind viel gespielt haben soll und die auch mit zur Ausstellung gehört. Interessant hier, die Segregation, die Rassentrennung wurde auch hier ernst genommen. Schwarze und weiße Feuerwehrleute waren strikt getrennt. Nur im Falle eines Alarmes durften die gleichen Stangen, an denen die Feuerwehrleute runter rutschten, gemeinsam genutzt werden.
Die Ausstellung hier war eine kurze Zusammenfassung von dem, was ich in Memphis schon über Martin Luther King gesehen habe. Hier war nicht wirklich viel neues Interessantes. Einzig eine kleine Ausstellung mit persönlichen Gegenständen von ihm, seiner Frau und von Mohandas Karamchad  Gandhi waren hier besonders. Mahatma Gandhi war das große Vorbild von Dr. King und von ihm hat er den gewaltfreien Widerstand übernommen, daher taucht er immer wieder in allen Ausstellungen von ihm auf. King hatte wohl auch ein Bild Gandhis für sein Arbeitszimmer gewählt.

Das Geburtshaus von Martin Luther King.

Die Ebenezer Baptist Church von außen...

... und von innen.

Das original Feuerwehrauto, auf dem King gespielt haben soll.

Das Grab von Martin Luther King Jr. und seiner Frau Loretta Scott king.

Wo man Dr. King findet, findet man auch Gandhi.
Normalerweise ist der Check-in Motels ab 16 Uhr und es war noch Vormittag, als ich etwa 1,5 km entfernt von Kings Geburtshaus dort ankam, aber ich dachte, frag einfach mal, vielleicht kann ich wenigstens mein Auto hier schon mal stehen lassen, dann brauche ich keinen extra Parkplatz.
Aber es kam noch besser, mein Zimmer war schon frei. Daher habe ich es natürlich direkt bezogen und die Chance genutzt, Wäsche zu waschen. Dann hat sie genug Zeit zu trocknen. Jetzt sollte ich eigentlich bis zum Ende der Reise auskommen.

Dann war es aber so weit, endlich sollte Atlanta erkundet werden. Wobei ich Euch direkt enttäuschen muss, von Atlanta selber habe ich gar nicht so viel gesehen und das wird sich auch morgen nicht ändern. Mein Radius hat sich auf wenige Straßen beschränkt und aufgrund meiner Pläne für morgen, ändert sich das auch nicht großartig.

Es sei denn, ich schaffe es doch, mich hier anzuketten und hier zu bleiben. Denn ich bin hier in meinem ganz privaten Schlaraffenland. Atlanta ist die Heimat von Coca-Cola. Und, wirklich zufällig, war die Coca-Cola World der erste Ort, an dem ich vorbei kam.

Hier wird mit guter Laune, Musik und Spaß das Getränk und wirklich jeder Werbeartikel gefeiert. Man besucht "the Vault", einen Stahltresor, in dem angeblich das Rezept aufbewahrt wird. Dort erfährt man, welche Versuche unternommen wurden, das Rezept zu entschlüsseln, welche Sagen sich um dieses ranken und dass es nur einmal, für sechs Jahre, nicht in Atlanta, sondern in einem Bankschließfach in New York City aufbewahrt wurde.
Man erfährt auch, dass es ein Rezept gibt, und das der Mythos mit den nur zwei Menschen, die dieses Rezept kennen und die nie gemeinsam reisen dürfen, eben das ist, ein Mythos.
Dann besucht man eine kleine Abfüll-Straße, die die einzelnen Schritte von der Flaschenreinigung bis zum Verschließen der Flasche erklärt, ein 4-D Kino, welches mit wackelnden Sitzen und anderen Effekten einen lustigen Film aufführt. 
Man konnte sich mit einem Bär fotografieren lassen, viele alte Werbeprodukte sehen und wurde am Ende, wie immer in Amerika und leider auch immer mehr bei uns, durch einen Souvenirshop geführt, in dem es wirklich alles von Coca-Cola gab.

Als großer und langjähriger Sponsor der Olympischen Spiele gab es auch auch 10 originale Fackeln zu sehen, die vor den jeweiligen Spielen durchs Land getragen wurden.

The World of Coca-Cola.

Ein XXL-Flaschenöffner als Info-Stand.

Hier fand eine Begrüßung statt.

Immer noch bei der Begrüßung.

Der Eingang zu "The Vault".

Eine nette Zimmerlampe.

Verschiedene Kühlgeräte und Getränkeautomaten.

Auch ein deutsches Produkt stand dabei.

Eine Flasche, so individuell, dass man sie bei einer Berührung im Dunklen erkennt oder wenn sie zerbrochen auf dem Boden liegt.

Eine weitere Coca-Cola Werbeikone. Allerdings hat Coca-Cola den Weihnachtsmann nicht erfunden. Den gabs schon vorher.




Eigentlich habe ich ja gehofft, in den USA einen echten Bären zu sehen. Aber vielleicht klappt das ja noch.

Küchenprodukte von Coca-Cola.
Wer jetzt die Beschwerde bringt, dass ich anderswo keinen Eintritt bezahlen wollte, da ich es überteuert fand und dann hier einen Besuch mache, dem möchte ich zwei Dinge sagen. 
Zuerst, wenn nicht ich hier einen Besuch mache, wer denn dann? Ich sollte hier zumindest eine Ehrenplakette bekommen. Und dann und vor allem, ich konnte mich hier absolut schadlos halten.
Schon vor der Begrüßung bekam man das erste Freigetränk und dann gab es einen Bereich, in dem man über 100 verschiedene Produkte der Coca-Cola Company von der ganzen Welt testen konnte. Hier konnte man so oft und so lange und immer wieder während des Besuches probieren wie man wollte.
Na ihr lieben Biertrinker, ist das in Brauereien auch so? Bei Bitburger war die Anzahl der Freigetränke zumindest begrenzt.
Für mich gibt es nur ein einziges Coca-Cola Produkt, die wahre, echte, rote Cola, nichts mit Light, Zero oder Dingen wie Cherry oder Vanille. Aber von dem einen hatte ich hier reichlich.

Hier gab es jede Menge Coca-Cola,...

... aber auch andere Geschmacksrichtungen...

... aus der ganzen Welt.

Für Deutschland war hier MezzoMix im Rennen.

Was würde ich wohl trinken, wenn dieser Mann nicht gewesen wäre. John S. Pemberton.
Nachdem ich dann, mit Wehmut aber ohne jeglichen Durst, Coca-Cola verlassen habe, bin ich direkt nebenan ins nächste Museum gegangen. Dieses wird, wie fast alles in Atlanta, von Coca-Cola gesponsert. 
Bisher habe ich hier noch keine Pepsi gefunden. Wie ich sagte, ein Paradies.

Ich werde Euch aber nicht mit diesem Museum langweilen, da es wieder ein Museum über die Bürgerrechtsbewegung war. Allerdings mag ich es jedem Atlantabesucher ans Herz legen, denn auch dieser Ort zeigt eindrucksvoll, wie schrecklich es ist, Menschen in verschiedene Klassen einzusortieren und zu unterdrücken. Was man mit den Schwarzen in Amerika gemacht hat war schrecklich und es sollte eine Lehre sein, weder diese, noch andere Menschen irgendwo unter andere zu stellen.

Dazu ein Zitat von Martin Luther King aus seiner "I have a dream"-Rede.
"I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin, but by the content of their character."

Eine Sache in dieser Ausstellung war allerdings besonders beeindruckend und erwähnenswert. Man konnte selber an einem Sit-in teilnehmen. Bei den Sit-ins haben sich Farbige z.B. in Restaurants für Weiße gesetzt und ihren Platz behauptet. Hier nahm ich auf einem Stuhl Platz, setzte mir Kopfhörer auf und dann sollte ich die Augen schließen und die Hände flach auf den Tisch vor mir legen.
Nun spielte, mit Surroundeffekten, ein Hörspiel ab, bei dem man von lauten Stimmen bedroht wird, man hört Glas zerbrechen, Sirenen. Die Stimmen, die einen beleidigen und bedrohen werden immer mehr, immer lauter und immer bedrohlicher und ich konnte mir die Szenerie vor meinem inneren Auge sehr gut vorstellen. Nur war ich sicher, diese Menschen waren wirklich in Lebensgefahr.
Leider kann ich mit Worten nicht wirklich gut beschreiben, wie ich mich gefühlt habe, aber ich kann mir jetzt noch besser als vorher vorstellen, wie sich manche Flüchtlinge fühlen müssen, wenn sie an Hotspots in Deutschland "empfangen" werden.

So, ich entschuldige mich für diese Anmerkungen, aber grade nach dem Erlebnis unter den Kopfhörern musste das sein.

Vor dem Museum musste ich mal wieder Geld ziehen und da ist mir etwas anderes aufgefallen, was mich in Amerika beeindruckt. Nicht nur, dass man hier viel mehr Gebärdensprache im Fernseher sieht, man nimmt allgemein sehr viel mehr Rücksicht auf behinderte oder eingeschränkte Menschen. Der Geldautomat hatte nicht nur eine Erklärung in Braille, auch konnte man hier Kopfhörer einstecken und sich akustisch durch das Menü führen lassen.

Mit frischem Bargeld in der Tasche habe ich mich erst mal umgesehen, was ich nun machen kann.

Links das Civil Rights Museum, vorne die Coca-Cola World, dahinter, Downtown Atlanta.
Das nächste Ziel war schnell ausgemacht, der Centennial Olympic Park. Der Park, in dem 1996 während der Olympischen Spiele das Bombenattentat verübt wurde, bei dem durch den rechtsextremen Eric Rudolph zwei Menschen getötet und 111 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.
In dem Park erinnert aber fast nichts an den Anschlag. Dafür dreht sich alles um die Spiele in Atlanta. 

Irgendwie bekommt man das Gefühl, dass dem Sponsoring von Coca-Cola zu verdanken ist, dass die 100 Jahrfeier von Olympia ausgerechnet in Atlanta statt gefunden hat. 
Hier gibt es unter anderem ein Denkmal für den Behindertensport, mit allen Teilnehmern der Paralympics in Atlanta namentlich erwähnt, Steine mit allen Medaillengewinnern der Olympischen Spiele und eine riesengroße Fackel.

Das Paralympics-Memorial.

Die überdimensionale Fackel.

Ein Denkmal zu Ehren von Baron Pierre de Coubertin.

Die Olympischen Ringe als Brunnen.
Es war nun früher Nachmittag und mir vielen immer mehr männliche und weibliche Cheerleader der Georgia State University auf. Da habe ich mich schnell informiert und festgestellt, es sollte am Nachmittag ein College-Footballspiel stattfinden. Im Georgia Dome, in dem ich auch morgen Football sehen werde.

Mit dem Handy schnell nach Tickets geschaut, billige gefunden und so habe ich doch noch geschafft, auch einem College-Footballspiel beizuwohnen. Allerdings kein wirklich prestigeträchtiges, Das Stadion war recht leer, aber ansonsten hätte ich wohl keine so günstigen Karten bekommen. Für ein Spiel der LSU gegen die Ole Miss, (dass ist sowas im Collegefootball, wie bei uns derzeit ein Fussballspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund,) habe ich die günstigsten Tickets für ca 300 Dollar angeboten bekommen.

Es war aber ein sehr aufregendes Spiel, das zu Gunsten der Heimmannschaft ausging, so dass die Stimmung doch recht gut war.
Besonders dadurch, dass in den beiden Reihen vor mir jeweils die Familien von zwei Defensive-Spielern saßen, die aber so richtig mitgegangen sind und von denen ich mich gerne habe mitreißen lassen. Als einer von den Beiden dann auch noch einen Touchdown erzielte, nicht so üblich für Defensive-Spieler, war der Tag endgültig gerettet.

Mein erster Blick in den Georgia Dome.

Die Halbzeitshow.

Touchdown durch B.J. Clay, dessen Familie zwei Reihen vor mir saß.
Der Georgia Dome wird bald abgerissen, nebenan baut man schon an der neuen Spielstädte, die zur Saison 2017 fertig werden soll. Übrigens steht der Neubau auf dem Platz, wo früher das Stadion der Falcons in Atlanta war. Man scheint also immer abwechselnd links und rechts ein neues, größeres Stadion zu bauen. Sponsor ist hier übrigens Mercedes Benz. Den Beinamen hat schon jetzt der alte Georgia Dome und diesen Namen trägt der Neubau.

Rechts alt, links neu.
Danach hatte ich genug für den Tag, aber da man mir sagte, es gab zuletzt zu viel Natur, hier mal wieder ein paar Wolkenkratzer.




Ich denke, ich konnte mein Wort halten, die Berichte werden wieder länger und hoffentlich auch wieder interessanter. Gewöhnt Euch aber noch nicht zu sehr daran. Zwar ist morgen der ganze Tag verplant, zu erzählen gibt es davon aber vielleicht nicht so viel.

Freitag, 21. Oktober 2016

Tag 18 Pensacola Beach - Stone Mountain

Heute habe ich auf einem Stein gestanden. Klingt das so aufregend, wie es war? 
Das Frühstück heute morgen konnte sich wirklich mal Frühstück nennen und so habe ich so reichlich davon genossen. So sehr, dass die Autofahrt anstrengend wurde, auf vollem Magen.
Der Abschied aus dem kleinen Paradies am Strand wurde mir recht leicht gemacht. Seit 5 Uhr am Morgen gab es starken Wind und auch die Temperaturen sind auf nur 24°C morgens um 9:00 Uhr gefallen. So kalt, ich habe mir die Hosenbeine wieder an meine Hose gemacht. Von nun an wieder lange Hosen.

Insgesamt habe ich dann, einschließlich Pausen, 7 Stunden auf Highways und Interstates verbracht. Auf langen, graden und einschläfernden Straßen durch tolle Wälder, vorbei an Baumwollfeldern und, zum ersten Mal in meinem Leben, mit dem Auto, über eine Zeitzonengrenze. Aufgrund Verkehrs habe ich davon leider nichts wirklich mitbekommen, ebenso wenig, dass ich jetzt in Georgia bin. Nur an meinem Navi habe ich es gemerkt, dass plötzlich eine Stunde mehr anzeigte. Ich bin Euch also jetzt wieder eine Stunde näher, nur noch 6 Stunden zwischen mir und der Heimat.

So sahen die Straßen heute zu Beginn aus. Hier ein Highway.

Eines der Baumwollfelder am Straßenrand in Alabama.

Und so sahen die Straßen später lange Zeit aus. Hier eine Interstate.
Bei einer Pause habe ich dann die größte, freilebende Spinne bisher in meinem Leben gesehen. Sie hatte ihr Netz neben dem Weg zu einem Rastplatz gespannt und die Menschen hier wunderten sich nicht mal. Sowas scheint man hier gewohnt zu sein. Ich bin solche Spinnen nicht gewohnt, da musste ich sie fotografieren und bin insgesamt froh, in all meinem Zimmern insgesamt bisher erst zwei Schaben gehabt zu haben und nur einen Mückenstich.
Generell habe ich ja keine Angst vor Spinnen, aber sowas im Schlafzimmer brauche ich auch nicht.
Ich würde vermuten, es ist eine "Goldene Wespenspinne". Wer es besser weiß, der möge mich bitte aufklären.

Das Spinnchen, vom Punkt oben links am Bein bis unten recht, geschätzt 8-9 cm.
Dann kam ich an die Randgebiete von Atlanta und zum ersten mal richtig in den Kontakt mit dem Berufsverkehr einer amerikanischen Großstadt. Wahnsinn. Dazu sollte man wissen, dass die Amerikaner eigentlich nicht in deiner Großstadt wohnen. Mir hat mal einer gesagt, wenn man abends in einer der Städte wie Atlanta oder z.B. Dallas ausgeht, dann begegnet man eigentlich nur Touristen und denen, die mit Touristen Geld verdienen. Dementsprechend ist der Berufsverkehr gewaltig. 
Zu meinem Glück wollte der Verkehr immer in andere Richtungen wie ich. Ich kam zwar nur langsam vorwärts, aber ich habe sehr viele gesehen, die gefühlt gar nicht vorwärts kamen. Ich hoffe, dass ich auch auf den letzten Tagen nicht mehr davon erleben muss.

Apropos, ich habe jetzt ziemlich genau 2500 Meilen hinter mir, was dann auch ziemlich genau 4000 km entspricht. Ich denke, damit zwei Drittel meiner Reise.

Beeindruckend war es auch, durch Unterführungen der Landebahn des Flughafens von Atlanta zu fahren. Der Flughafen mit dem weltweit größten Passagieraufkommen. Hier landeten im Minutentakt zwei Flugzeuge parallel.

Zwei Flugzeuge im Landeanflug.
Da fällt mir ein, was ich seit Lafayette mal erwähnen wollte, und heute ist wahrscheinlich meine letzte Chance, ich habe mich mal wieder auf einer Hurricane Evakuation Route befunden. Die Stürme nimmt man wohl ziemlich ernst, denn die großen Fluchtrouten Richtung Inland waren in der letzten Woche immer wieder ausgeschildert.

Mein Tagesziel war dann endlich erreicht, im Osten von Atlanta, ca 25 km von Downtown.
Dort befindet sich mit dem Stone Mountain der weltweit zweitgrößte Monolith. Größer ist nur noch der Mount Augustus. Der Uluru, auch bekannt unter Ayers Rock, in Australien wäre zwar größer, ist aber kein Monolith.

Er ist aber nicht nur ein Touristenziel, weil er als Stein einfach so in der Gegend rum liegt, sondern, und vor Allem, wegen seinem Basrelief. Es st das größte Basrelief der Welt und hat in etwa die Größe eines Fußballfeldes. 
Die Figurengruppe selber ist ca 30m x 60m und ist bis zu vier Meter tief. Es stellt den Präsident der Konföderierten Staaten von Amerika, Jefferson Davis, und deren wohl zwei wichtigsten Generäle, Thomas Jackson und Robert E. Lee, auf ihren Pferden dar. Beeindruckend, was von Menschenhand geschaffen wurde. 

Der Monolith hat etwa einen Umfang von acht Kilometern und erhebt sich ca 250 Meter über seine Umgebung.

Das Relief.

Die drei Persönlichkeiten, Präsident Jefferson Davis und die Generäle Thomas "Stonewall" Jackson und Robert E. Lee.
Der Park davor war leider weniger ansehnlich, denn hier warfen zwei Schneekanonen einen Berg Schnee auf. Im November wird das Gelände in eine kleine Abfahrt und eine Skikunstsprunganlage umgebaut.
Außerdem war die Seilbahn wegen des zu starken Windes gesperrt. Es blieb also nur die Alternative, mich auf einen der verschiedenen, unterschiedlich schwierigen, Wanderwege nach oben zu machen. Nach oben hin laufen sie alle zusammen und insgesamt sollte man sie nur mit festem Schuhwerk machen. Es ist ein oft unebener und manchmal steiler Weg.

Der Weg hinauf.



Nach ca 30 Minuten hatte ich es geschafft und stand auf dem Stein. Oben war es verdammt windig, aber die Aussicht war atemberaubend und dank des blauen Himmels konnte man meilenweit sehen.

Man erkennt den Schneeberg.

Die Seilbahn, natürlich außer Betrieb.

Der Gipfel.

Der Blick auf Atlanta.
Vom Berg ging es ins Motel und dort erst mal unter die Dusche. Danach hieß es ausruhen und die Füße auf Eis legen. Die letzten 14 Tage haben begonnen und das Programm ist voll. Montag werde ich wohl den letzten Tag, den ich zu schnell war, noch verlieren und von da an müssen alle meine Pläne aufgehen. 
Ich muss mein Ziel erreichen, es soll Leute geben, die wollen mich angeblich zurück haben. 
Dabei könnte ich ewig so weiter reisen, würde dann aber mehr solche Tage wie gestern einlegen.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Tag 17 Daphne - Pensacola Beach

Heute habe ich mein Tagesziel nicht erreicht, es ging einfach nicht mehr. Ich hatte mir vorgenommen, bis Panama City in Florida zu kommen, ich hatte gehört, dass dort wunderschöne Strände sein sollen. Die werde ich jetzt wohl nicht mehr sehen. 

Als ich das Motel verlassen habe, habe ich mich noch voller Zuversicht auf den Weg den Küsten-Highway entlang gemacht und wurde schon nach kurzer Zeit aufgehalten. Ein Scenic Byway ging von der Straße ab und führte direkt an der Küste entlang. Der erste Ort dort hieß Farhope und mir verschlug es die Sprache. An der Straße die tollsten Anwesen, die alle ihren eigenen Strand hinter dem Haus hatten. Hier wohnen sicherlich nicht die ärmsten Amerikaner, bzw. haben hier ihr Sommerhaus. 
Bald darauf wurde das von geschlossenen Wohnsiedlungen abgelöst, die so angelegt waren, dass die Häuser vorne eine Straße für ihre Autos und hinten einen Kanal für die ihre Yachten hatten. 
Aber dann tauchten am Horizont auch die ersten Hotelkomplexe auf und ich dachte mir, ich fahre mal an den Straßenrand und setze mich an den Strand für ein kleines Päuschen.
Und da saß ich wieder mal ganz alleine. Wer es nicht glauben mag,...

... hier der Blick nach rechts und...

... hier der Blick nach links.
Dann sollte es aber wieder weiter gehen, das Ziel war immer noch Panama City.  Kurz vor dem Hotel auf dem letzten Foto, das große Gebäude, erreichte ich die Staatsgrenze von Florida. Mein neunter und eigentlich gar nicht geplanter Staat. Ich war also nun im Panhandle. Dem Pfannenstiel Floridas.

Die Straße ging nun schon eine Weile auf vorgelagerten, schmalen Inseln oder Halbinseln, nicht nur rechts war der Strand, links war auch wieder Wasser zu sehen. Mit Strand und dahinter Häusern. Und an den Straßen links und rechts nur Palmen. Wäre es nicht toll hier zu wohnen?



Die nächste größere Stadt durch die ich kam war Pensacola und hier scheint alles im Zeichen der Blue Angels zu stehen. Diese Flugstaffel der Navy hat sicher jeder schon mal irgendwo im Fernsehen gesehen, da sie sehr oft eingesetzt werden, wenn Flugzeuge im engsten Formationsflug in den USA z.B. die amerikanischen Farben in den den Himmel bringen. Diese Staffel besteht aus 6 Flugzeugen mit festen Piloten und sie treten im Jahr vor über 10 Millionen Zuschauer auf. Zweimal im Jahr findet eine Flugshow hier in Pensacola statt.
Ich bin direkt an der Basis vorbei gekommen, zwar habe ich da die berühmte Fliegerstaffel nicht gesehen, aber einige Flugzeuge im Alleinflug waren in der Luft.

Hinter Pensacola ging dann eine Brücke auf die vorgelagerte Insel, nach Pensacola Beach. Meine erste TollRoad, die erste Straße für die ich Maut bezahlen musste. Einen Dollar für die Überquerung der Brücke.
Das konnte ich mir grade noch leisten. 

Auf der anderen Seite waren die Strände wieder herrlich und da dachte ich mir, wenn hier ein Motel ist, dann bleibe ich hier. Und bald war eines gefunden. Es war zwar nicht das Günstigste, aber ich habe schon teurer übernachtet. Daher habe ich dann hier mein Tagesziel schon um 13 Uhr erreicht, mein Zimmer bezogen und mich dann in den Golf von Mexiko gestürzt.

Der Blick aus meinem Zimmer ist noch nicht der schönste.

Nach hinten raus ist der Blick nicht besser, aber so sieht man, wie breit der Streifen Land ist.

Und das ist der Blick vom Hotel zum Strand.
Daher werdet ihr heute nicht mehr viel von mir lesen. Ich habe ein Schläfchen am Strand gemacht, bin im Golf geschwommen, bis mich das Wasser fast aufgelöst hat und bin am Strand entlang gelaufen.
Dabei habe ich das erste mal eine solche Muschel selber gefunden.


Die wurden mit der Brandung angespült und alle versuchten, eine zu bekommen, was gar nicht so leicht war. Es gab sie sogar noch größer, aber mit der war ich ganz zufrieden.

Ich habe es mir heute einfach gut gehen lassen und Sonne, Strand und Meer genossen, am Abend noch ein Footballspiel in einer Bar und Doritos und Cola am Strand, bevor ich ins Bett gegangen bin.

Morgen wird es auch noch mal kürzer werden, denn ich muss lange im Auto sitzen. Danach hatte ich dann hoffentlich genug Erholung, denn dann beginnen die letzten zwei Wochen und die sind wieder voll mit Programm.