Dienstag, 1. November 2016

Tag 29 New York City

Am Morgen ging es zur Central Station, wo ich mich mit Stephanie verabredet hatte. Als wir diesen Treffpunkt ausgemacht haben, haben wir nicht erwartet, wie viele Menschen sich hier morgens bewegen. Aber wir haben uns doch gut gefunden und sind in die U-Bahn nach Süden eingestiegen. Unser Ziel war der Battery Park und das Castle Clinton, von wo die Fähre nach Ellis Island und Liberty Island abfährt.
Dort unten, im Battery Park steht auch "The Sphere". Das Kunstwerk eines deutschen Bildhauers, welches für drei Jahrzehnte auf dem Platz zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers gestanden hat und durch den Einsturz der Gebäude zwar beschädigt wurde, aber als Ganzes erhalten blieb.

The Sphere.
Wir sind dann mit dem Schiff erst nach Liberty Island und haben im Schatten der Freiheitsstatue, mit Blick auf die Skyline von Manhattan, gefrühstückt.
In die Krone der Lady of Liberty wären wir eh nicht gekommen, dafür sollte man Karten Wochen oder besser Monate im Voraus vorbestellen und auf den Sockel wollten wir auch nicht, dafür braucht man zumindest extra Tickets. Wir hatten uns beide einen City Pass gekauft, in dem nur die Fahrt auf die Insel enthalten war. Daher sind wir einmal um die Insel gegangen, haben uns die Statue aus allen Winkeln einmal angesehen, haben Fotos gemacht und ein Pärchen aus Kalifornien kennen gelernt, die uns ein Bed&Breakfast in Oakhurst am Yosemite National Park empfahlen, welches sie wohl betreiben. Wer da mal hin will, ich habe die Adresse noch.

Ellis Island von der Fähre.

DIe Statue of Liberty von der Fähre.

Die Skyline, kurz vor Anlegen an Liberty Island.
Von Liberty Island ging es dann nach Ellis Island. Hier haben wir uns Audioguides geben lassen, die in den Tickets mit enthalten waren und haben hier so vieles erfahren können, was die Einwanderer, die über diese Insel in die Vereinigten Staaten eingewandert sind, durchlaufen mussten. Wie sie abgefertigt wurden, welche Gründe es für eine Ablehnung gab und einiges mehr. Wenn man sich für diese Geschichten interessiert, dann ist es auch interessant, ansonsten wird es hier etwas sehr langatmig.

In dieser Halle mussten Immigranten auf die Aufnahme warten und je nachdem, welche Türe sie am Ende durchqueren durften, durften sie in den Norden der USA, den Süden der USA oder mussten wieder auf ein Schiff zurück.
Wieder zurück auf dem Festland, wollten wir ins 9/11 Museum, welches in unserem Pass auch enthalten war. Auf dem Weg dorthin, kamen wir an dem Bullen vorbei, der ein Erkennungsmal der Wallstreet ist, der aber auch erst 1989 von einem Künstler einfach abgestellt wurde, ohne dass das mit der Stadt besprochen wurde.
Der Stier war von einer Vielzahl von Menschen umringt, die alle ein Foto von dem Tier haben wollten, sehr viele von vorne, einige aber auch von hinten, wo man gut sehen konnte, dass es sich um ein männliches Tier handelt.

The Charging Bull.
Bevor wir wieder am Ground Zero ankamen, kamen wir auch noch an der Trinity Church vorbei, in die ich auch mal meine Kamera gehalten habe.

In der Trinity Church.
Dann ging es aber endlich ins 9/11 Museum, dass sich unter der Erde zwischen den Brunnen befindet, etwa auf der Höhe des 2 Kellergeschosses der ehemaligen Türme, da wo die Parkebenen waren und damit auch in dem Bereich, wo der erste Bombenanschlag auf das World Trade Center 1993 stattgefunden hat.
Zwar findet man auch dazu eine kurze Tafel die sagt, hier war es, aber hauptsächlich erfährt man da alles über das Attentat am 11. September 2001. Den zeitlichen Ablauf, die Gesichter und Namen der Opfer, man sieht sehr viele  Stahlträger, zerstörte Feuerwehrautos und vor allem viele, viele Gegenstände, die aus den Trümmern geborgen wurden.
Natürlich auch am Ende alles über Al Qaida und die Konsequenzen, die die Amerikaner aus dem Anschlag gezogen haben.
Allerdings gibt es nicht viele Fotos, denn in sehr vielen Bereichen durften keine Fotos gemacht werden.

Insgesamt war es ein sehr interessantes Museum, das auch viele persönliche Erinnerungen an diesen Tag geweckt hat, nur leider war es viel zu voll an diesem Ort, so dass man nicht wirklich in Ruhe alles aufnehmen konnte.
Allerdings war es heute insgesamt sehr viel voller in Manhattan als am Vortag. Das ist uns an mehreren Orten aufgefallen.

Das neue One World Trade Center.

Nochmal eine Rose, aber am Tag erkennt man auf dem Foto die Namen besser.

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Ein Überrest der ehemaligen Atenne

Ein zerstörtes Feuerwehrauto.
Vor einem Mittagessen wollten wir uns dann aber noch das Ghostbusters-Hauptquartier, das aus den Filmen natürlich ansehen. Es sollte nur wenige Straßen nördlich sein. Dort, vor Ort, haben wir uns einen Moment umgesehen, bevor wir es dann doch entdeckt haben, und auch den Grund, warum wir so lange brauchten.

Das Ghostbusters-Gebäude, eingepackt,...

... nur Spuren auf dem Boden waren zu erkennen.


Das Mittagessen haben wir in einem kleinen, dunklem Lokal zu uns genommen, in dem Touristen scheinbar nicht unbedingt üblich sind. Außer uns waren auch nur 4 Gäste anwesend. Mir hat es trotzdem gut geschmeckt. Stephanie war leider nicht ganz so begeistert.

Dann wurde es langsam Zeit, zum Rockefeller Center aufzubrechen. Hierfür hatten wir uns ja am Vortag schon Tickets besorgt, die uns zeitlich ermöglichen sollten, den Sonnenuntergang vom Top of the Rocks, der Aussichtsplattform auf dem Gebäude, zu genießen.
Vorher sind wir aber noch ein wenig durch ein paar Straßen und haben Bilder gemacht.






Dann begann die Odyssee, Aufstieg zum Top of the Rocks. Da die Karten ja alle  terminiert sind, dachten wir, ok, dann kommen wir da auch leicht hoch. Dachten wir. Zur allerersten Möglichkeit, mit diesen Tickets dort hin zu kommen, sind wir auch rein und wurden direkt in einen Aufzug geführt.
Dieser ging aber nur zwei Stockwerke hoch, wo dann die Sicherheitskontrolle statt fand. Alleine hier waren schon unzählig viele Menschen vor uns.
Als man unsere Taschen durchleuchtet und uns durch den Metalldetektor geführt hatte, wurde die Menschenmenge vor uns noch größer, die die alle noch vor uns in einen der Aufzüge mussten. Es waren zwar immer noch 20 Minuten bis zum Sonnenuntergang, aber wir dachten uns schon, das wird eng.

Und das wurde es auch, als wir oben waren, war die Sonne schon weg, nur das letzte Licht konnten wir noch rot am Horizont erkennen, wir waren 5 Minuten zu spät. Was allerdings nicht ganz so dramatisch war, da es in Richtung Westen doch sehr bewölkt war und man wahrscheinlich eh nicht so viel zu sehen bekommen hätte.

Was wir dann aber zu sehen bekamen, entschädigte für sehr vieles. Ganz Manhattan lag vor uns und während es um uns herum immer dunkler wurde, kam das Lichtermeer der Stadt mehr und mehr zur Geltung und es sah wirklich toll aus.
Hier ein paar Fotos, vielleicht ist ja eines dabei, das Euch gefällt.












Irgendwann mussten wir uns dann aber doch wieder von diesem Anblick lösen und nach unten fahren. Wir haben dann noch einen kleinen Spaziergang bis zur Grand Central Station gemacht, wo wir uns dann wieder getrennt haben.

Grand Central Station vor dem Met Life Building.


Für mich ging es dann direkt ins Hotel. Der Tag war wieder lang und die Füße nun schwer. Morgen wird mein letzter kompletter Urlaubstag sein. So langsam muss ich, schweren Herzens Koffer packen. Morgen muss ich zusätzlich versuchen, meine Bordkarte irgendwie auszudrucken, denn ich befürchte, meine Handykarte für die USA ist einen Tag zu wenig gültig und so werde ich diesem wohl keine Handybordkarte haben.
Ich hoffe, ich schaffe es, pünktlich zum Flughafen und auch bis ins Flugzeug zu kommen. Aber erst mal noch einen Urlaubstag genießen, bevor man sich um diese Probleme kümmert.

Montag, 31. Oktober 2016

Tag 28 Philadelphia - New York City

Das letzte Ziel vor dem Heimflug ist erreicht, heute bin ich im Big Apple angekommen, der Stadt, die niemals schläft. Ich bin in New York City. In Manhattan.

Ohne viele Umwege, aber mit einmal verfahren ging es heute auf die Mautstraßen und auf in die große Stadt. Als die Kilometer auf dem Navi weniger wurden, spürte ich meine Aufregung steigen. Die letzten Meilen in den USA, wer weiß, für wie lange. Vielleicht aber auch, weil, nun ja, man hört ja nicht viel Gutes über das Verkehrsaufkommen in dieser Stadt. Tatsächlich wurden mir für die letzten 17 Kilometer eine Fahrzeit von einer Stunde angegeben, was sich als ziemlich gute Schätzung erwiesen hat.

Einen Umweg gab es dann aber doch, ich bin erst in Richtung Süden gefahren, da ich einmal in meinem Leben über die Brooklyn Bridge fahren wollte, was die Fahrzeit auch nicht unbedingt verkürzt hat. Zum Glück bin ich sehr früh aufgebrochen, denn für 13 Uhr war ich ja verabredet.
Ein weiteres Glück war, dass ich kurz vor der Brücke noch mal aufgetankt hatte, denn in Manhattan selber wurden mir zwar mehrere Tankstellen angezeigt, gesehen habe ich aber nicht eine. Und ich musste meinen Wagen ja aufgetankt zurück geben.
So war er nicht ganz voll, was aber nicht der Grund dafür war, warum die Rückgabe fast 15 Minuten gedauert hat. 12 Minuten haben zwei Leute damit verbracht, den Meilenstand des Fahrzeuges zu ermitteln. Der Rest war schnell erledigt und für den nicht vollen Tank musste ich auch nur eine kleine Strafe zahlen. 

Der erste Blick auf die Skyline von Manhattan.

Ein Gruß aus der Heimat. Wobei, Radeberger in einer Kölner Bierhalle?

Dichter Verkehr vor der Brooklyn-Bridge.

Auf der Brooklyn-Bridge.
Von der Rückgabestelle für das Auto bis zu meinem Hotel waren es nur 9 Blocks und so habe ich auch das schnell und gut gefunden. Das einzige Problem, ich konnte noch nicht aufs Zimmer. Aber meine Koffer konnte ich schon hier lassen. So habe ich schnell umgepackt und mir vor allem eine Jacke mehr mitgenommen. Es war doch etwas befremdlich, dass ich hier nur im T-Shirt ankam, während hier die Leute mit Winterjacken und Schals herumliefen. Ich war sehr verwöhnt, mit dem Wetter in den letzten Wochen.

Nun hieß es, noch etwas warten, denn ich war für 13 Uhr mit Stephanie verabredet. Einer netten, jungen Frau aus Duisburg, die ich in einer USA Reisegruppe bei Facebook kennen gelernt hatte und die für eine Woche die Stadt besucht. Wir hatten festgestellt, wir haben ähnliche Interessen an die Stadt und ausgemacht, die Stadt gemeinsam zu entdecken.
Ich muss sagen, ich bin da doch sehr froh drüber, denn Manhattan alleine ist so gross und hat so viel zu bieten, da fährt man nicht einfach mal so hin, da muss man sich schon einiges vorbereiten. Und das habe ich nicht.
Stephanie hingegen war schon fast zwei Tage hier, kannte sich schon mit den Metroverbindungen aus und wusste, wo man was fand.
So bin ich ihr gerne gefolgt oder konnte sie auch leicht überreden, mal in eine andere Richtung zu gehen und habe mit ihr heute schon einiges gesehen.

Angefangen haben wir an der Grand Central Station, die nur einen Steinwurf von meinem Hotel entfernt liegt. Die Größe dieser Bahnhofshalle ist wirklich imposant und auch sehr hübsch.

In der Grand Central Station.
Da wir noch keine richtigen Pläne hatten, was wir denn wann machen wollten, sind wir noch etwas planlos Richtung Süden gelaufen, bis wir am Washington Square ankamen. Dort, auf einer Bank, wurde das Treiben auf dem Platz beobachtet und überlegt, ob alles, was man sah, Halloweenkostüme waren, oder ob nicht manche davon immer so rumlaufen.

Der Washington Square mit dem 130 Jahre alten Washington Arch.
Dort kam dann die Idee auf, den Sonnenuntergang über der Stadt vom Top of the Rocks, der Aussichtsplattform auf dem Rockefeller Center zu betrachten. Also ging es wieder Richtung Norden, am Madison Square vorbei, wo Fotos vom Flatiron Building und dem Uhrenturm des Metropolitan Life Insurance Company Building gemacht wurden. Dieser Uhrenturm ist dem kurz zuvor eingestürzten Campanile von San Marco in Venedig nachempfunden worden.

Das Bügeleisen, das Flatiron Building.

Der Turm der MetLife Inc.
Im Rockefeller-Center angekommen, mussten wir dann feststellen, dass die nächste Tour aufs Gebäude erst nach Sonnenuntergang verfügbar war. Also haben wir unsere CityPässe hier besorgt und eine Sonnenuntergangstour für den nächsten Tag hier schon gebucht. Die war noch verfügbar.
Aber für heute mussten wir dann neue Pläne machen. Also ging es wieder auf die Straße und zur Eisbahn vor dem Rockefeller-Center, die schon aufgebaut war. Schlittschuhlaufen hier kostet auch nur 25 Dollar.

Die Eisbahn im Bereich des Rockefeller-Center.

Die Atlas-Statute am Rockefeller-Center.
Gegenüber liegt direkt die St.Patrick´s Cathedral und so wurde auch schnell dort ein Besuch abgestattet. Hier wurde mir der Kontrast in dieser Stadt so richtig bewusst. Sieht diese Kathedrale von außen nicht besonders groß aus, in der Nachbarschaft der Wolkenkratzer, so erscheint sie von innen riesig und beeindruckend, wie das Kathedralen so oft tun.

Die St. Patrick´s Cathedral von außen...

... und von innen.
Mittlerweile hatten wir auch neue Pläne für den Abend, allerdings brauchten wir dafür eine Metrostation. Also ging es zum Time Square, um dort unter die Erde zu gehen. Dabei kamen wir an einer kleinen Statue von Bart Simpson als Bartman vorbei, die von Nancy Cartwright, der amerikanischen Stimme von Bart Simpson persönlich angefertigt wurde.

Bart Simpson als Bartman.

Der Time Square,...

... bei Tag.
Der Plan für den Sonnenuntergang war, mit der Staten Island Fähre zu selbiger Insel zu selbiger zu fahren, und die Skyline von weitem zu betrachten. Meines Erachtens hat sich das sehr gelohnt, wir hatten einen tollen Ausblick auf das Südende Manhattans auf der Hinfahrt, kamen an Ellis Island und der Statue of Liberty vorbei und haben einen tollen Blick auf die Stadt gehabt, als all die Lichter angingen. Als dann alles dunkel um uns herum war, sind wir wieder zurück. Und das kostenlos, denn diese Fähre muss man nicht bezahlen.

Endlich in Manhattan, verlasse ich es schon wieder.

Ellis Island, die Insel über die über 12 Millionen Menschen in die USA eingewandert sind.

Die Freiheitsstatue.


Einige Möwen folgten uns.

Aussichten von Staten Island.



Auf der Rückfahrt war alles hell erleuchtet.

Die Lichter der Stadt von der Fähre aus.

Fast wieder zurück.
Nachdem wir die Fähre wieder verlassen hatten, sind wir noch zum 9/11 Memorial und haben uns die riesigen Brunnen angesehen, die die Stellen markieren, an denen die zwei Türme des World Trade Center gestanden haben. Um die Brunnen herum sind Tafeln mit allen Opfern aus den Türmen, den Flugzeugen und der Rettungskräfte namentlich genannt. Stephanie konnte mir auch verraten, dass, wenn in einem Namen eine Rose steckt, dieser Person ihren Geburtstag heute gehabt hätte.

Einer der beiden Brunnen, dahinter das Gebäude des 9/11 Museum.

Eine der Rosen, die einen Geburtstag markiert.

Das neue One World Trade Center.
Unser letztes Ziel für heute war dann wieder der Time Square. Von dort ist Stephanie zu ihrem Hotel gegangen und ich habe mir noch etwas den Timesquare angesehen, bevor ich den Tag mit einem Essen und Monday Night Football habe ausklingen lassen.

Der Time Square,...

... bei Nacht.
Hotels sind hier sehr raumsparend und nach all den großen Zimmern, die ich in den letzten Wochen gewohnt war, musste ich mich erst mal richtig organisieren. Aber das Problem werde ich wohl auch noch lösen.

Mein letztes Hotelzimmer im Pod39.
Morgen haben wir Pläne, nach Ellis Island zu fahren, das 9/11 Museum zu besuchen und den Sonnenuntergang vom Top of the Rocks zu betrachten. 
Und wenn wir noch mehr schaffen, dann werden auch noch andere Orte besucht. Mal schauen.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Tag 27 Washington D.C. - Philadelphia

Heute ist nicht so viel passiert, aber das gibt mir die Chance zu erklären, was die USA für mich, während der Reise, immer wieder sehr interessant macht.
Vielleicht ist die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika keine alte, sie blickt nicht auf viele Jahre zurück, wie es vielleicht in Aachen der Dom tut und ist sicher nicht zu vergleichen mit Ausgrabungen in Italien oder Griechenland. Dafür ist aber in wenigen Jahren hier sehr viel passiert und das was passiert ist, ist viel greifbarer. Alles ist aufgezeichnet oder aufbewahrt und nicht Katastrophen oder Kriegen zum Opfer gefallen. 
Gerade heute wurde mir das sehr bewusst gemacht, mit einem Kapitel, auf das die USA in meinen Augen wirklich stolz sein kann. Man kann sicherlich, aus heutiger Sicht, geteilter Meinung sein, auch ich finde den Patriotismus und manches Verhalten außenpolitisch nicht richtig. Aber die Gründerväter dieses Landes hatten vielleicht auch andere Ideen für die Zukunft.

Als ich die letzten Tage meiner Reise geplant habe, kam mir die Idee, wenn ich schon so viel in den USA gesehen habe, warum dann nicht auch den Ort, an dem alles angefangen hat. Philadelphia. Diese Stadt liegt auf dem Weg zwischen Washington D.C. und New York City. So habe ich mich am Morgen auf den Weg gemacht, vorbei am Pentagon, an der Innenstadt vorbei, am NCIS und an der NSA vorbei in Richtung Norden.
Da ich ja heute viel Zeit hatte, habe ich beschlossen, Mautstraßen, die es Richtung New York City zahlreich gibt, zu meiden. So führte mich der Weg mitten durch Baltimore und dann in einem Bogen zur Route 1. Insgesamt kostete mich die Vermeidung der Mautstraßen ca 40 Minuten und ein paar Kilometer mehr, aber bei Mautgebühren von ca 20 Dollar, hätte das eine Tankfüllung ausgemacht. Um die Mittagszeit war ich dann in Philadelphia.
Auf dem Weg dorthin merkte man schon, dass sich die Geschichte hier eine andere ist. Nachdem ich schon wichtige Orte aus der Zeit des Sezessionskrieges besucht und auch viele der Schlachtfelder dieses Krieges passiert habe, waren es hier Schlachtfelder aus dem Unabhängigkeitskrieg, wie das Schlachtfeld von Brandywine oder Valley Forge, wo George Washington mit seinen Truppen überwinterte, wobei viele seiner Truppen erfroren.

Washington D.C. war nicht von Anfang an die Hauptstadt der USA. Erst war es New York City und dann für 10 Jahre Philadelphia, damals die größte Stadt in den USA. Die USA gab es ja auch noch nicht, die wurden ja erst gegründet. So kam es übrigens zum Namen D.C. District of Columbia. Columbia nannte man poetisch das Land, das von Kolumbus entdeckt wurde. Als man beschloss, eine Hauptstadt für den neuen Staatenbund zu bauen, sollte diese zu keinem der Staaten gehören. So trennte man ein Stück Land zwischen Maryland und Virginia heraus und nannte es District of Columbia. Das erste Gebäude, das in dieser Stadt gebaut wurde, war übrigens das Weiße Haus.

Wenn man die Geschichte der Gründung der USA greifbar spüren mag, dann sollte man nach Philadelphia fahren. Die Stadt machte auf mich, um das Zentrum herum, einen sehr dreckigen und langweiligen Eindruck, aber die Gegend um die Independence Hall ist sehr hübsch aufgearbeitet und an allen Ecken findet man Hinweise auf die Gründerväter und die Gründung selber.

So führte mich der erste Gang ins Visitor Center, wo ich ein kostenloses Ticket für eine Führung durch die independence Hall bekam. Der Termin war 15:20 und es war grade kurz nach 13:00.
Um die Zeit bis dahin zu verbringen, ging mein erster Weg zur Liberty Bell, der Glocke, die zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung 1776 geschlagen haben soll. Ich sage soll, da sich um diese Glocke sehr viele sagen ranken, aber man hier auch erfahren kann, dass niemand jemals bestätigt hat, das oder welche Glocken zur Verlesung der Erklärung geschlagen haben. 
Auch wann der Riss in der Glocke entstanden ist und warum, darüber kann man vieles lesen, aber hier wurde gesagt, auch das ist nicht ganz sicher.
Sicher ist, diese Glocke steht für die Freiheit der Vereinigten Staaten und soll ein Symbol für Freiheit in der ganzen Welt sein und aus diesem Grund steht sie in einem extra Gebäude, für jeden zu besuchen.

Die Liberty Bell, mit ihrem Riss.
Natürlich war mit dem Anschauen einer Glocke, selbst mit der angeschlossenen Ausstellung, noch nicht annähernd genug Zeit verbracht, um in die Independence Hall zu kommen, daher schaute ich mir dann die Umgebung an. Hier sind viele Gebäude und auch noch kleine Straßen und Gassen so erhalten, wie sie zur Zeit der Unabhängigkeit waren und es gibt überall Erklärungen, wer wo gelebt hat oder was wo gemacht wurde. Es hat mich sehr neugierig gemacht, diese Stadt einmal vorbereitet zu besuchen. Immer mehr reizt mich eine Reise an der Ostküste entlang mehr, als die typische Westküsten-Tour.

Die Umgebung der Independence Hall.






Immer noch etwas zu früh, ging es dann zur Independence Hall. Ich musste ja eh noch die obligatorische Sicherheitskontrolle passieren und der Park dahinter sah mit seinen Bänken auch gemütlich aus, um dort zu warten.

Die Liberty Hall, von der einen...

... und von der anderen Seite.
Der Ranger, der die Führung hier machte, gestaltete diese sehr interessant und lebendig. Mit vielen Hilfsmitteln und Enthusiasmus machte er nicht nur die Geschichte interessant, man hatte auch wirklich das Gefühl, er machte hier nicht nur eine alltägliche Führung, sondern er erzählte etwas, das ihm wichtig ist. Natürlich alles mit genug Anteil an Patriotismus, der hier aber nicht arrogant herüber kam. Es nannte es auch die Familienzusammenführung der Familie aller Amerikaner, zu der auch Freunde von außerhalb eingeladen sind.

Er erzählte Geschichten von George Washington, John Adams, Benjamin Franklin und anderen, die ihren Anteil an der Gründung hatten, zeigte die Orte wo hier etwas statt fand und erklärte, was in dem Gebäude eine Rolle spielte.

Ich möchte nicht mit allen Geschichten langweilen, aber drei Dinge die ich heute gelernt habe, möchte ich doch mit meinen Lesern teilen.

Der Raum in dem Geschichte geschrieben wurde. Und Al, der Ranger.
Jeder hat sicher schon einmal ein Bild der Versammlung gesehen, entweder mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung oder der der Verfassung.
Wenn man diese unterscheiden will, gibt es einen praktischen Trick. Wenn George Washington auf dem Bild ist, dann handelt es sich um die Verfassung, denn bei der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung befand er sich im Krieg.

An den Tischen saßen die Vertreter der unterschiedlichen Staaten, schon früher waren es mehrere für einen Staat. Der Stuhl hinten in der Mitte war der Platz des Präsidenten der Versammlung. Hierzu hatte man schon den späteren ersten Präsidenten George Washington gewählt.
Der Stuhl ist wohl tatsächlich der echte Stuhl, auf dem George Washington gesessen hat. Er hat im Bogen oben an der Armlehne das Bild einer halben Sonne. Auch dazu gibt es eine kleine Geschichte.
Über diese Sonne hatte Benjamin Franklin wohl einmal gesagt: "I have often looked at that behind the president without being able to tell whether it was rising or setting."I have often looked at that behind the president without being able to tell whether it was rising or setting. But now I... know that it is a rising...sun." (Ich habe oft auf die ´Sonne´ hinter dem Präsidenten gesehen ohne sagen zu können ob sie auf- oder untergeht. Aber jetzt weiß ich, dass es eine aufgehende Sonne ist.) 
Dazu sollte man sich vor Augen halten, dass die Verfasser der Unabhängigkeitserklärung nicht einfach ein paar Männer waren, die zusammen kamen und einfach etwas aushandelten. Wenn damals die Briten den Krieg gewonnen hätten, hätte wahrscheinlich jedem Einzelnen von ihnen die Todesstrafe gedroht.

Am Schönsten fand ich aber die Anekdote über die Abstimmung zur Unabhängigkeitserklärung selber. Diese fand nicht am Independence Day, dem 4. Juli, statt, sondern schon am 2. Juli. Der 4. Juli war der Tag der Ratifizierung.
Aber von vorne. damals gab es 13 Staaten, die alle ihre Delegierten in diesem Raum hatten. Am 1. Juli, zum Tag der ersten Abstimmung. Die Delegierten stimmten mit 9 zu 4 Stimmen für die Unabhängigkeit. Das hätte zwar gereicht, aber man wollte mehr Einigkeit gegen die britische Krone zeigen.
Also vertagte man die Abstimmung auf den 2. Juli, in der Hoffnung, über Nacht die mit Nein stimmenden Abgeordneten umzustimmen.
Darunter waren die Abgeordneten von Delaware, Allerdings mit nur zwei Personen vertreten, der Dritte, Caesar Rodney, war krank zu Hause in Delaware. 
Nun gab es das Problem, das einer der Anwesenden aus diesem Staat mit Ja gestimmt hat, der andere mit nein. Daher sandte man einen Boten aus, um Caesar Rodney zu bitten, nach Philadelphia zu reiten und das Unentschieden zu Gunsten eines Ja zu brechen, denn man wusste, er würde mit ja stimmen.
Es war eine 70 Meilen Distanz. Das Botensystem überbrückte diese Strecke schnell, aber für einen Mann über diese Distanz zu reisen, brauchte man damals mindestens einen ganzen Tag. Er hatte nur eine Nacht und dazu noch eine mit einem Gewitter. Und doch schaffte er es. Zwar war er nicht für den Kongress angezogen, er hatte noch Reitkleidung und Sporen an, aber pünktlich zur Abstimmung stand er im Raum.
Ihm zu Ehren hat der Staat Delaware, jeder Staat bestimmte die Rückseiten ihrer Münzen wohl selber, Caesar Rodney, reitend auf seinem Pferd, abgebildet.
Er zeigte eine solche Münze und schenkte sie einem Mädchen unter der Gruppe und meinte damals, jetzt frei übersetzt: "Ich bitte jeden im Raum, eine solche Münze zu finden und sie aufzubewahren. Im Moment ist es wieder sehr aktuell, aber wann immer man sich zu müde, zu krank oder zu faul fühlt, wenn das Wetter zu schlecht ist oder welche Ausrede man auch immer hat, um nicht zu einer Wahl zu gehen, dann soll man daran denken, was dieser Mann auf sich genommen hat, um seine eine Stimme abzugehen. Und welche Konsequenzen es hätte gehabt haben können, hätte er es nicht gemacht. 
Mir persönlich hat diese Geschichte sehr gefallen und wer bei sich zu Hause eine solche Münze findet, der darf sie mir gerne geben. Ich habe leider keine in meiner Tasche und habe leider nur noch drei Tage, um eine zu finden.

Ich habe nach dem Besuch dort das Zentrum von Philadelphia verlassen, aber ich will mehr über diese Zeit der Geschichte erfahren und gerne noch mal wiederkommen.

Für mich führte der Weg aber an den Nordrand von Philadelphia, an die Grenze nach New Jersey, wo ich mein Hotel gebucht habe. Drückt mir die Daumen, dass auch die letzte Autofahrt gut verläuft, denn sie führt mich ins Zentrum von Manhattan. Dann wird das Auto abgegeben und das letzte Hotel meiner Reise bezogen.

Ach ja, ich bin nur noch 5 Stunden hinter Euch zurück. Hier wird erst nächstes Wochenende auf Winterzeit umgestellt. Jetzt sind es nur noch 5 Stunden Jetlag, die zu überbrücken sind. Denn morgen in einer Woche darf ich schon wieder zur Arbeit gehen.