Donnerstag, 6. Oktober 2016

Tag 3 Chicago

Nachdem ich die ersten beiden Tage Temperaturen von 24-30 Grad und Sonnenschein genießen konnte, bin ich heute im Regen aufgewacht. Gut, dass ich mir gestern schon so viel angesehen hatte, so konnte ich für heute Indoor-Aktivitäten planen.
Nach dem Frühstück habe ich mir als erstes den Chicago Water Tower angesehen, in dem heute eine kleine Galerie beherbergt ist.
Das Gebäude ist eines der ältesten und ein Wahrzeichen der Stadt. Eine Trinkwasser-Punpstation sollte unauffällig in die Stadt integriert werden. Es war also wirklich mal ein Wasserturm und ist der zweitälteste Wasserturm der Stadt.

Der Chicago Water Tower. Das Foto ist schon gestern entstanden, es sieht im Sonnenschein aber einfach schöner aus.
Der nächste Besuch galt dem Chicago Cultural Center. Ein Gebäude, dass von Außen nicht viel her macht, aber innen ein sehr schönes Treppenhaus und eine Kuppel im Tiffanystil beherbergen soll. Davon wollte ich mich überzeugen und muss sagen, ein kurzer Besuch, der sich aber lohnt.



Um weiter trocken den Tag zu genießen, habe ich mir gedacht, Kultur kann nicht schaden. Es standen mehrere Alternativen zur Auswahl, wie das Field Museum, bekannt aus dem Film "Nachts im Museum", das Adler Planetarium und andere mehr. Entschieden habe ich mich aber, aufgrund mehrfacher Empfehlung in der Hotellobby von anderen Gästen und dem Hotelpersonal, für das Art Institut of Chicago. Und der Besuch hat sich gelohnt, auch wenn er etwas teuer war. Hier war ich daran erinnert, wie positiv ich finde, dass in London alle staatlichen Museen keinen Eintritt kosten. Nur so kann man Kunst jedem Nahe bringen und nicht nur denen, die bereit sind, viel Geld dafür zu bezahlen.
Aber, der Eintritt hat sich gelohnt. Mehrere Stunden habe ich zwischen Bildern von Manet, Monet, van Gogh, Warhol und vielen Anderen verbracht, Statuen, Münzen, Krüge bestaunt und noch vieles mehr gesehen.


Das Selbstbildnis von van Gogh.
Four Mona Lisas von Warhol.
Liz #3 von Warhol.
Nighthawks von Hopper.
Indianische Kunst.
Der heilige Michael und der Teufel.
(Oder, meine letzte Beziehung)
Dann kam ich zu der modernen Kunst und wie so oft habe ich mich gefragt, warum ich sie nicht mag. Aber eigentlich ist es einfach. Ich sehe Bilder wie die folgenden und frage mich, wer macht sowas zur Kunst?

Nicht mal das richtige Datum, ich wurde im Januar geboren.
Eine weiße Wand mit gelben Rahmen, die sich Brilliant Yellow Number 9 nennt.
Ich bin mir sicher, sowas habe ich als Kind auch mal gemalt.
War das ein Autounfall oder hat da einer den Keller ausgeräumt?
Und da waren noch viele andere Dinge mehr, bei denen ich den Kopf geschüttelt habe und mir dachte, was soll das? Ist das Kunst oder kann das weg? Jetzt verstehe ich den Satz noch besser.

Was ich dann aber wieder schwer beeindruckend fand, war eine kleine Abteilung im Keller. Dort waren ca 50 kleine Fenster, hinter denen Miniaturwohnungen aufgebaut waren, die alle mehr oder weniger 200 Jahre alt waren. Ich habe versucht, Bilder zu machen, aber sie geben kaum die beeindruckende Detailverliebtheit der Zimmer wieder.





Dann war aber der Nachmittag dabei fortzuschreiten und ich habe das Museum  Richtung Hotel verlassen. Doch vorher ist mir noch jemand begegnet, der mich mindestens die nächsten Tage noch begleiten soll, denn mein erstes Ziel nach Chicago ist Springfield, einst die Heimat dieses Mannes.



Wieder auf der Straße, hatte der Regen aufgehört, aber Nebel senkte sich über die Stadt und es war interessant zu beobachten, wie die Stadt verschwand. Von den vielen Wolkenkratzern, die man immer und jederzeit in jede Richtung sehen kann, sah man plötzlich nur noch wenig.


Dafür habe ich in der Lobby eines Gebäudes dann aber einen tollen Nachbau des Loop, so nennt man Downtown Chicago, entdeckt.



Den Abend habe ich dann in einer Sportbar bei einem Burger und American Football verbracht und auf dem Rückweg noch die Lichter von Chicago bei Nacht bewundert.
Damit geht mein Besuch der Windy City dem Ende entgegen. Morgen früh werden die Koffer gepackt und das Auto abgeholt. Es sind noch vier Wochen, die ich in diesem Land verbringen werde. Wenn ich morgen schreibe, habe ich hoffentlich die ersten 200 km heil und gesund überstanden und das wirkliche Abenteuer kann beginnen. Denn nur bis Springfield habe ich Zimmer gebucht. Was danach kommt? Mal sehen...

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Tag 2 Chicago


Die Zeitumstellung ist bei mir noch nicht so ganz angekommen und so habe ich das Hotel schon um 6 Uhr morgens verlassen, um mir die Stadt, die als Geburtsort der Hochhäuser gilt, mal richtig anzugucken. 1885 wurde hier das erste moderne Hochhaus der Welt, mit einer Höhe von 42 Metern und 10 Stockwerken gebaut. 50 Jahre später wurde das wieder abgerissen, so konnte ich mir das nicht anschauen, dafür aber viele andere tolle Gebäude.
Zumindest für den Jungen vom Lande, sehr beeindruckend.
Hier mal eine Auswahl von meinem Stadtrundgang durch Chicago.










Ein Gefängnis, mitten in der Stadt.








Natürlich habe ich noch viele Fotos mehr gemacht. Überwältigt von dieser Stadt. Aber heute habe ich sehr viel geschafft, mehr als ich mir vorgenommen hatte. Da kann ich morgen etwas ausruhen. Aber jetzt ein wenig der Reihe nach. Den Sonnenaufgang habe ich von einer Brücke über den Chicago River genossen. Dieser floss bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts in den Michigan Lake. Da die Stadt aus diesem aber sein Trinkwasser bezog und mit dem Fluss alle Abwässer in den See flossen, hat man Chicago River kanalisiert und nun fließt er aus dem Michigan Lake Richtung des Mississippi. 

Sonnenaufgang
Pumpstation im Michigan Lake, die die Stadt mit Trinkwasser versorgt.
Entlang des Chicago River gibt es den Riverwalk, von dem man den Fluss und die Architektur herum in Ruhe genießen kann. Aufpassen muss man hier so früh nur auf zahlreiche Jogger. Ich habe schon einige der Häuser entlang gezeigt, darum nun noch welche vom Fluss.




Nachdem ich den Riverwalk dann wieder verlassen habe, ging es quer durch die Stadt, auf der Suche nach der City Hall. Ich habe den Film BluesBrothers einfach zu oft gesehen und dass war der einzige Drehort, der zentral in der Stadt und damit für mich erreichbar war. Natürlich gab es auch auf dem Weg dahin viel zu sehen, aber ich würde mir wünschen, man könnte auch Gerüche über das Internet vermitteln. Aber ich habe mal gehört, eine solch große Stadt kann einfach nicht gut riechen und ja, an machen Stellen musste ich schwer die Nase rümpfen.


Vietnam Memorial.
Aufgang zur "L".
Unter der Hochbahn.
Daley Plaza. Rechts eine Skulptur von Pablo Picasso, hinten die City Hall.
In die Fenster des Gebäudes rechts durfte John Landis das Bluesmobil tatsächlich hineinfahren lassen und im Film "The Dark Knight" ist es das Gebäude von Wayne Enterprise.
In der City Hall.
Vielleicht ist Euch im vorletzten Bild der blaue Brunnen aufgefallen. Ich habe mal gelesen, dass das Wasser mal rot gefärbt war, zu Ehren des Stanley-Cup Sieges der Chicago Blackhawks. Daher denke ich, nun werden damit die Chicago Cubs geehrt. Das Baseballteam der Stadt, dass Divisionmeister geworden ist und in den Playoffs um die Meisterschaft steht. Die ganze Stadt spricht davon und auch in den lokalen Fernsehsendern ist es, neben der Präsidentschaftswahl, Thema Nummer 1.
Ich hatte einen Besuch am Stadion schon länger geplant und bin mit der Metro dort hin gefahren, um mich dort einmal umzusehen.
Leider war es nicht möglich, einen Blick ins Stadion zu bekommen.
Rund um Wrigley Field werden alle Straßen geschmückt, damit alles feierlich ist, wenn es Freitag los geht. Während ich hier schreibe, wird im TV der erste Playoff-Gegner im Spiel zwischen den NewYork Mets und den SanFrancisco Giants ermittelt.




Außerhalb des Stadions haben Hausbesitzer sogar Tribünen auf ihren Dächern installiert. Man musste sich mit den Cubs einigen und die Erlöse teilen, aber seit Anfang des Jahrtausends sitzen Zuschauer ganz offiziell außerhalb des Stadions auf den Dächern.


Nachdem ich das Baseballstadion gesehen habe, musste ich, als American-Football Fan auch das Soldier Field besuchen. Leider gab es auch dort keine Möglichkeit, ins Stadion zu schauen, nur in den Fanshop. Da ein Trikot aber mal eben 150 Dollar kostet, eine Baseballkappe schlappe 40 Dollar und auch der Rest recht teuer war, habe ich mal von einem Einkauf abgesehen und nur ein paar Fotos gemacht.




Ohne die geht es hier eigentlich nirgends. Meist tritt sie in Gruppen auf.
Vom Soldier Field ging es wieder an den See, vorbei an dem Adler Planitarium, dem Field Museum und dem Shedd Aquarium zum Millenium Park. Das Ziel war die Stahlbohne, das CloudGate.
Auf dem Weg dahin kam ich am Buckingham Brunnen vorbei. Den Älteren vielleicht noch bekannt aus dem Vorspann der Serie "Eine schrecklich nette Familie" mit Al Bundy.



Das CloudGate ist aus Stahlplatten zusammengeschweißt und hochglanzpoliert. Warum muss ich hier an die Metallographen unter meinen Kollegen denken? Die Bohne weist keine erkennbaren Nähte auf und spiegelt die Umgebung auf interessante Weise. Mit Fotos ist es schwer zu beschreiben, man muss selber mal davor und vor allem darunter gestanden haben. Sagenhaft.









Vom Millenium Park wollte ich dann noch zur Navy Pier, eine Seebrücke und die größte Touristenattraktion Chicagos.
Wahrscheinlich liegt es daran, dass es im Oktober nicht mehr viele Touristen in Chicago gibt, aber insgesamt war es hier sehr ruhig bis langweilig. Die Karussells fuhren mangels Gästen nicht, nur das Riesenrad drehte seine Runden. Allerdings war es erholsam, an der Spitze der Pier eine Pause einzulegen und das Treiben auf dem See zu beobachten.




Eine Bob Newhart (aka Professor Proton) Statue.


Für heute hatte ich damit aber genug gesehen. Eigentlich alles, was ich mir für zwei Tage vorgenommen habe. Von der Pier bin ich noch zum Abendessen und dann früh ins Hotel gegangen. Mal sehen, was ich morgen mache, aber ich denke, morgen wird es nicht so viel zu lesen bzw gucken geben.